"Unser Genom legt nicht fest, was für ein Mensch aus ihm wächst"

In der ZEIT letzte Woche einen sehr interessanten Artikel gefunden: Erbgut in Auflösung. Darin werden einige der Entwicklungen der Genforschung der letzten zwei Jahre zusammengefasst.

So ist unser Genom wohl nicht konstant, sondern verändert sich ständig. Eineiige Zwillinge entwickeln sich schon im Embryostadium genetisch ausseinander. Nicht nur das, nicht einmal unsere eigenen Zellen bestehen aus einem fixen Genetischen Code:
[...] physisch erscheint der Mensch nicht länger als Individuum, sondern als Verband egoistischer Zellkolonien. Bei bis zu zehn Prozent aller Erbanlagen – und vielleicht weit mehr – ist entweder nur die mütterliche oder die väterliche Variante aktiv. Dieses Muster, im Fachjargon »autosomale monoallelische Expression« genannt, wird bereits im Embryo festgelegt. Und dort trifft jede Zelle ihre eigene Entscheidung. [...] Die Folge: Der erwachsene Organismus gleicht einem Flickenteppich von Zellverbänden, deren genetische Netzwerke unterschiedlich gestrickt sind.

Verblüffend auch das Fazit - nach diesen neuen Erkenntnissen scheinen viele Theorien zum Klonen, die wir bisher hatten, falsch zu sein. Nicht nur Erziehung und Erlebnisse formen uns als Menschen, sondern auch genetische Prozesse im laufe unserer Entwicklung. Autoren von Science-Fiction-Romanen und -Filmen werden wohl zukünftig neue Ideen für Dystopien finden müssen.

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